<?xml version="1.0"?>
<rdf:RDF xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"><rdf:Description rdf:about="https://repozitorij.uni-lj.si/IzpisGradiva.php?id=110628"><dc:title>Schilderung der nationalsozialistischen Gesellschaft in Roman Irmgard Keun „Nach Mitternacht‟ / Prikaz nacistične družbe v romanu Irmgard Keun „Nach Mitternacht‟</dc:title><dc:creator>Pirc,	Manca	(Avtor)
	</dc:creator><dc:creator>Lughofer,	Johann Georg	(Mentor)
	</dc:creator><dc:subject>Autorität</dc:subject><dc:subject>deutsche Exilliteratur</dc:subject><dc:subject>Irmgard Keun</dc:subject><dc:subject>„Nach Mitternacht“</dc:subject><dc:subject>nationalsozialistische Gesellschaft / avtoriteta</dc:subject><dc:subject>nemška eksilna literatura</dc:subject><dc:subject>Imgard Keun</dc:subject><dc:subject>„Nach Mitternacht“</dc:subject><dc:subject>nacistična družba</dc:subject><dc:description>Im Roman „Nach Mitternacht“ werden durch die Beobachtungen, Handlungen und Leiden der Protagonistin Susanne Moder sowie anderer Charaktere das damalige Leben und die Menschen, die unter dem nationalsozialistischen Regime lebten, in all ihren Facetten dargestellt. Mit Hilfe der Sekundärliteratur und historischer Quellen gelingt es, den Bezug zu den tatsächlichen damaligen Ereignissen herzustellen. Auf diese wird im Roman zwar nicht explizit verwiesen, trotzdem erscheinen jedoch einige Schilderungen – besonders der Auftritt Hitlers – sehr authentisch. Irmgard Keuns Werk wurde nicht umsonst in zahlreichen Rezensionen für seine Authentizität gepriesen: Keun erlebte die Anfangsjahre der Hitlerherrschaft. Somit konnte sie das Klimas dieser Hitler-Jahre glaubwürdig schildern und man kann behaupten, dass der Zeitrahmen der Romanhandlung – ungefähr Mitte März 1936 – dabei deutlich zu erkennen ist. Dieser Roman ist jedoch keine Analyse des Nationalsozialismus, sondern ein Roman, den man gut und mehrmals lesen muss, um die größere Kritik am damaligen Nazideutschland zu verstehen. Der historische und politische Kontext dieser Zeit, der im Roman auf eine künstlerische Art und Weise beschrieben wird, muss bei der Interpretation des Inhalts stets beachtet werden. 
Die Analyse des Buches ergab, dass sich durch den ganzen Roman Hinweise auf Repressionsmaßnahmen finden lassen, die zwischen den Jahren 1933 und 1936 von der NS-Politik durchgeführt worden sind. Solche Maßnahmen waren z. B. die „Nürnberger Gesetze“. Das „Reichsbürgergesetz“ und das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ spielen im Roman eine zentrale Rolle: Aufgrund der Gesetzgebung dürfen Dieter Aaron, ein jüdisch-arischer Mischling, und Sannas besten Freundin Gerti nämlich nicht zusammen sein. Damit sich das verliebte Pärchen zumindest sehen kann, begleitet Sanna Gerti öfters als Alibi zu ihren Treffen. Dieter Aaron verliert auch seinen Job in der Chemiefabrik, dabei ist er jedoch nicht der einzige: Auch Dr. Breslauer, ein jüdischer Arzt, verliert wegen des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ seine Kassenzulassung und kann somit seine Arbeit in Deutschland nicht mehr ausüben. Er tut, was die meisten tun – er geht ins Exil. Langsam aber sicher werden auch die jüdischen Ladenbesitzer boykottiert. 
Keun beschreibt auch viele andere gesellschaftliche Phänomene, die durch die nationalsozialistische Ideologie hervorgebracht wurden, wie die z.B. die „Denunziantenbewegung“. Denunzianten zeigten Leute aus persönlichen, ungerechtfertigten Motiven an. Begünstigt durch das propagierte Weltbild wurde Denunziation zu einer gesellschaftlichen Praxis, die im Roman anhand des Charakters von Tante Adelheid aufgezeigt wird, sowie anhand der Szene, in der Sanna im Polizeipräsidium auf das Verhör der Gestapo wartet. 
Auch der nationalsozialistische Stab, der Angst und Schrecken im Dritten Reich verbreitete, kommt in zahlreichen Textpassagen – explizit oder implizit – zu Wort. So werden die unmittelbaren Akteure – SA, SS, Reichswehr und die Gestapo – vorgestellt. Durch die karikierende Art und Weise, wie Keun ihre Aktivitäten und ihr Verhalten schildert, zeichnet sie ein regelrechtes Spottbild. So beschreibt sie den NS-Aufmarsch der Reichswehr als eine „eine Art Ballett“, was im vollkommenen Gegensatz zur damaligen Vorstellung der Elite – des Führers, der Soldaten und des Paramilitärs – steht. In der Propaganda wurden diese den Leuten als eine Art „Popikone“ angepriesen. Besonders Hitler wurde als ein aufopfernder Führer inszeniert, in Wahrheit entsprach er aber kaum dem Idealbild eines Menschen. Keun spielt darauf u.a. mit der pejorativen Metapher der leeren Hand an, mit der er seinen Gefolgsleuten zuwinkt, wie ein Prinz im Karnevalszug. Seine Reden und seinen Besuch in Frankfurt charakterisiert die Autorin als politisch inhaltslos.
Im Allgemeinen tritt die NS-Ideologie im Roman durch Propaganda auf - mit Hilfe von verschiedenen Organisationen wie der NS-Frauenschaft, der Tante Adelheid, Frau Silias und Frau Breitwehr angehören, oder der Hitlerjugend. Das Alltagsleben der Menschen wurde durch verschiedene Elemente und Massenveranstaltungen beeinflusst, die das nationalsozialistische Alltagsleben prägten, wie die Hauswart-Regelung, die Luftschutzübungen, der Hitlergruß, das Horst-Wessel-Lied, und verschiedene Printmedien, wie z.B. das Wochenblatt „Der Stürmer“.  
Die Schilderung der damaligen Gesellschaft wird umso glaubwürdiger mit der Analyse der Lage der Intellektuellen. Keun war genauso wie Sannas Bruder Algin eine Schriftstellerin und ihre Werke landeten, wie auch Algins Bücher, auf der „schwarzen Liste“. Im Roman wird die Reglementierung der Intellektuellen als Problemkomplex angeführt. Alle Charaktere müssen sich entweder anpassen oder Widerstand leisten. Die politischen Geschehnisse und die Tatsache, in Deutschland nicht mehr als kritischer Journalist arbeiten zu können, treiben Heini zur Verzweiflung. Seit der Zensur und der Beschränkung der Schriftsteller/innen ist er überzeugt, Literatur sei zwecklos. Ebenso wenig kann er sich aber einen unbelasteten Neuanfang in einem anderen Land vorstellen. 
Obwohl die Lage im NS-Deutschland zum Verzweifeln ist, versuchen alle Charaktere, die gesellschaftlichen Zustände und Lebensumstände zu verbessern. Diejenigen, die sich für das Leben im NS-Deutschland entscheiden, scheitern jedoch dabei. Im Fall des Journalisten Heini endet sein Leben mit einem Selbstmord. Die Flucht bzw. der Gang ins Exil scheint im Gegensatz dazu erfolgreich zu sein. Die neuen Probleme, die aufgrund der Staatenlosigkeit der Exilanten später entstehen, die Aufnahmekriterien der Exilländer, die finanzielle Situation der Exilanten und weitere Punkte, die im Roman angelegt sind und über das Schicksal der ”Staatenlosen“ entscheiden, bilden dabei einen interessanten Forschungsgegenstand für zukünftige Abhandlungen. 
Irmgard Keun verfasste mit „Nach Mitternacht“ ein herausragendes Werk, das von den Lesern aber sorgfältig gelesen werden muss, um die darin enthaltene Kritik herauszuschälen. Sie ist in erster Linie eine Schriftstellerin und Künstlerin, weshalb sie den Nationalsozialismus nicht unmittelbar an den Pranger stellt, sondern ihre Missbilligung durch subtile Anspielungen und sorgfältig gewählte Formulierungen zum Ausdruck bringt. Durch die Karikierung des Repressionsapparates, durch ihre komisch-ironische Erzählweise bringt Keun die Leser an manchen Stellen sogar zum Grinsen, bewegt sie jedoch gleichzeitig zum Nachdenken über die damalige Situation im NS-Deutschland. Auf ihre eigene Art und Weise führt sie den Lesern die Banalität der NS-Ideologie und deren Mentalität vor Augen, weshalb ihr Roman noch heute als eines der grundlegenden Werke der deutschen Exilliteratur gilt.</dc:description><dc:date>2019</dc:date><dc:date>2019-09-18 07:47:22</dc:date><dc:type>Diplomsko delo/naloga</dc:type><dc:identifier>110628</dc:identifier><dc:language>sl</dc:language></rdf:Description></rdf:RDF>
